24 Stunden auf den Beinen in Bayern

Ich war beim größten Wander-Event Bayerns, 22 Stunden und 63 Kilometer wandern. Was ich dabei erlebt und gefühlt habe, erfährst du hier im Bericht.

Ursprünglich erschienen auf Munich Mountain Girls

„Nirgends sonst als in den Bergen ist das Leben so intensiv und wahrhaftig.“

„Durchmachen“ – nach einer wilden, durchtanzten Nacht, erst bei Morgengrauen und Vogelgezwitscher nach Hause kommen und hundemüde ins Bett fallen -seit ich meine Wochenenden lieber in der Natur, in den Bergen verbringe, wurden solche langen Nächte eine Seltenheit.

Viel lieber geh’ ich Freitag früh ins Bett, um samstags den ersten Zug Richtung Berge zu nehmen. Als ich an einem der letzten Wochenenden dann doch mal wieder „durchgemacht“ habe, war ich 24 Stunden wandern:

Ich bin tatsächlich ohne eine einzige Minute Schlaf auf den Beinen gewesen: beim „Wander-Kultevent“ von Bayern, #24hvb: Die „24hvb“ sind ein Gruppenwanderevent,veranstaltet vom Tourismusverband Bayern, das jedes Jahr in einer anderen wunderschönen Gegend Bayerns ausgerichtet wird.

Ziel ist es, leidenschaftliche Wanderer/innen in die Region zu locken und so ein Erlebnis der ganz besonderen Art zu ermöglichen.

„Wann warst DU das letzte Mal 24 Stunden wach?“

Die Tour und zauberhafte Begleiterscheinungen

Eine perfekt ausgeschilderte Tour – dieses Jahr mit einer Länge von 60 Kilometern und 2.600 Höhenmetern – führt das wilde Wandervolk vorbei an kleinen Buden und Ständen, die von Vereinen, Unternehmen und Menschen aus der Region betrieben werden, die ihr Handwerk und ihre Produkte (oder ihre Alpakas) anpreisen.

Sie erzählen ihre Geschichten und verwickeln dich in Gespräche – (fast zu) oft begleitet von dem ein oder anderen Stamperl Enzian / Bierlikör / Bergwurz / Heuschnaps / …

 

Vorbereitung auf das Event

„Normale 8-Stunden Wanderungen“ sind ja eigentlich völlig ausreichend und meistens hat man dann ja auch genug vom Laufen.

Genauso ging es mir, als ich 2016 das erste Mal mit meiner Arbeitskollegin Birgit bei den 24hvb (damals im schönen Karwendel) teilgenommen habe.

Zu dem Zeitpunkt war meine längste Wanderung an die 8 Stunden und auch dieses Jahr habe ich mich nicht anders auf die Extrem-Wanderung vorbereitet, als 3-4 mittelschwere Bergtouren pro Monat und mein normales Sportprogramm aus Functional Training, Yoga und Radfahren – den Rest macht dann das Adrenalin und die Gruppendynamik!

Natürlich ist es extrem, so lange auf den Beinen zu sein.

Die ein oder andere kleine Blase lässt sich nicht vermeiden und die Handflächen sind aufgeraut vom Greifen der Wanderstöcke – aber ich finde: was mich nicht umbringt, macht mich stärker! Und das sind ja auch eher kleine Wehwehchen.

Wie es sich anfühlt, so lange unterwegs zu sein

Nach den ersten vier Stunden kann man nur drüber kichern, das man wirklich noch 8-Mal so lange unterwegs sein soll.

Nachmittags um 16.00 Uhr ist es eher ein müdes Lachen, weil einem langsam klar wird, ja, man tut es wirklich. Und dann dreht man vielleicht ein bisschen durch!

Nach dem Abendessen dann, beim Start der Nachtroute ist entweder die morgendliche Euphorie wieder zu spüren – oder man versucht, mit Schweigen zu verbergen, dass es im Moment wie ein schlechter Witz klingt, dass man erst die Hälfte hinter sich hat.

Spätestens gegen 21.30 Uhr, wenn dir auf 2.000m der schönste Sonnenuntergang inklusive Alpenglühen entgegen scheint und du dir voller Vorfreude die Stirnlampe aufziehst, beginnt ein ganz neues Kapitel: Nachtwandern!

Wandern in der Dunkelheit hat eine unglaubliche Intensität.

Konzentration und Empfinden sind auf einem ganz anderen Level als bei Tageslicht. Bei mir ist das Gefühl meist auch etwas vermischt mit ein bisschen Angst (dunkler Wald und wilde Tiere und so).

Das Gefühl ist einfach unübertrefflich. Die Zeit verfliegt. Du spürst diese tiefe Verbundenheit zur Natur und die geteilte Leidenschaft der Teilnehmer für die Berge.

Ich war einfach komplett erfüllt in diesem Moment.

Begleitung und Ausrüstung

Wenn du jetzt auch so begeistert bist wie ich – bleibt dir nur noch die Überlegung, welche Freundschaft eine derartige extrem Erfahrung von Freude, Leid, Schweiss, Schmerzen, Wahnsinn, Blödsinn und Glück Stand hält: der Wanderpartner/in sei weise gewählt!

In jedem Fall festigt eine Bergtour eine Freundschaft auf eine ganz besonders wertvolle Art. Jede einzelne Erfahrung ist so einzigartig und besonders, das schweißt zusammen (ja Birgit, du bist gemeint!).

Wichtig für die Teilnahme ist auf jeden Fall

  • gute eingelaufene Wanderschuhe – eventuell noch leichte Trekking/Laufschuhe zum Wechseln
  • Wanderstöcke/ Trekkingstöcke, wenn du gerne damit gehst
  • Bekleidung für jede Witterung – wenn dir kalt/warm wird, falls es regnet, Wechselklamotten, wärmere Jacke, lange Hose für die Nacht (evtl zum Abzippen für den Tag), 2. Paar Socken zum Wechseln, eine Mütze falls du leicht frierst
  • ein kleines Travel-Handtuch & Bikini, falls die Route an einem See/Fluss vorbeikommt und du spontan Lust auf eine Abkühlung hast
  • Snacks, wenn du noch welche zusätzlich zur Versorgung vor Ort brauchst – Verpflegung ist reichlich vorhanden
  • Zahnbürste für die Katzenwäsche am Bergbach im Morgengrauen
  • viel gute Laune und Vorfreude

Faszination 24 Stunden Wanderung von Bayern

Was mich so an den 24 Stunden von Bayern fasziniert, ist die unglaublich schöne Erfahrung mit so vielen Gleichgesinnten „auf dem Weg“ zu sein.

Dieses intensive Erlebnis das alle verbindet, egal welches Alter sie haben, welchen Beruf – die gemeinsame Leidenschaft für die Berge und die Natur, das vereint alle.

Neben der tiefen Verbundenheit bleibt das Staunen, was ein Körper alles schaffen kann und Dankbarkeit, dass wir ihn haben, um all diese Abenteuer erleben zu können!

Sei beim nächsten Mal dabei: 16.-17.6. 2018 im Frankenwald

Am 4.4.2018 wird die Bewerbung um die 444 heissbegehrten Startplätze eröffnet – dann wird ausgelost. Aber Achtung, du solltest schnell sein, das Anmeldeportal ist nur für 24 Stunden geöffnet.

Die Teilnahmegebühr beläuft sich auf 89€ und enthält „das Starterpaket, welches folgende Leistungen beinhaltet: exklusives 24-Stunden-von-Bayern-Shirt, Stirnlampe, Shuttle-Service entlang der Strecke, kostenfreie Verpflegung und unbezahlbare Erlebnisse am Wegesrand“.

An dieser Stelle noch ein großes Dankeschön an Crystal Communications und Bayern Tourismus, die uns zu diesem Abenteuer eingeladen haben.“

 

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